Omphalomantie
Jeder Bauchnabel ist anders: Manche sind flach, andere erhaben, manche sind regelmäßig geformt und andere erinnern eher an das Kunstwerk eines Individualisten im Kreißsaal. Aus dieser Eigenheit hat sich die Omphalomantie ergeben. Dabei wird der Nabel des Neugeborenen betrachtet, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die weiteren Geburten der frisch gebackenen Mutter aussehen werden.
Geschichte und Herkunft der Omphalomantie
Die Omphalomantie ist eine Form der Weissagung, die sich bereits bei den frühen Kulturen der Menschheit entwickelt hat. Eine Blütezeit erlebte die Omphalomantie in den Zeiten der Weltgeschichte, in denen die Zahl der Kinder noch eine sehr wichtige Frage für verheiratete Paare war. Weitläufig bekannt oder gar Regel nach der Geburt war die Omphalomantie jedoch nie. Sie wurde seit jeher von der Hebamme durchgeführt, die sich mit der Thematik auskennen musste, weshalb die Omphalomantie auch eng mit der Entwicklung der Hebammenkunst zusammenhängt. Vor Allem ab dem Mittelalter war die Omphalomantie eine Dienstleistung, die die Geburtshelferin der Frau erbringen konnte, da sie schnell und unauffällig durchgeführt werden konnte. Auch in den darauffolgenden Zeitaltern hielt sich die Omphalomantie eher als Aberglaube, dessen sich eine Frau jedoch gerne bediente, wenn sie Erkenntnisse über ihr weiteres Leben gewinnen wollte.
Funktionsweise der Omphalomantie
Bei der Omphalomantie wird auf die Knoten im Nabel des Neugeborenen geachtet, um daraus abzuleiten, wie viele Kinder die Mutter in ihrem Leben noch gebären wird. Diese Frage stellten sich viele Frauen, wenn ihr erstes Kind ein Mädchen wurde und sie ihren Mann weiterhin ohne Stammhalter lassen mussten. Es gab früher auch Methoden bei der Omphalomantie, das Geschlecht der noch kommenden Kinder aus dem Bauchnabel des Neugeborenen abzulesen, so dass die junge Mutter auch in dieser Hinsicht nicht im Dunkeln gelassen wurde. Je nachdem, woher die Hebamme stammte die die Omphalomantie durchführte, ließen sich auch weitere Erkenntnisse aus der Form des Bauchnabels und der darin zu sehenden Knötchen gewinnen. Modernere Interpretationen der Omphalomantie lassen auch zu, dass Erwachsene Erkenntnisse aus ihrem eigenen Bauchnabel gewinnen. Die Themen, die der Bauchnabel aufgreifen kann, sind jedoch fruchtbarkeits– und geburtsrelevante Fragen, sodass die Omphalomantie ein sehr weibliches Feld geblieben ist.
Verbreitung der Omphalomantie
Die Omphalomantie ist vorrangig eine europäische Form der Deutung, kommt aber auch in manchen anderen Kulturen und Religionen vor. Als Teilbereich der Mantik ist sie Bestandteil von Naturreligionen, die daran glaubten, dass natürliche Erscheinungen Erkenntnisse über den Willen von Gottheiten und höheren Wesen bringen konnten, die das Leben auf der Erde steuerten. Die Omphalomantie hielt sich im Mittelalter und nach der Aufklärung als Aberglaube, da lange Zeit in Europa der Glaube herrschte, ein männliches Kind müsse von jeder Frau auf die Welt gebracht werden, um als Erbe des Vaters eingesetzt werden zu können. Vor Allem adelige Frauen gerieten dadurch unter den Druck, einen Sohn auf die Welt bringen zu müssen — deswegen griffen sie gerne einmal auf die Omphalomantie zurück. Die Hebamme konnte diese problemlos sofort nach der Geburt durchführen, da dabei nur Frauen anwesend waren und keiner der Männer den Verdacht der Hexerei aufbringen konnte. Heute ist die Omphalomantie weitgehend in Vergessenheit geraten, da die Themen, zu denen sie Aufschluss liefert, für die meisten Familien nicht mehr von zentraler Bedeutung sind und lieber dem Zufall überlassen werden.
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